1846, 1927, 1940, 1973, 1977, 1986, 1988, 1993

Jahrzahlen von Hochwasserereignissen an der Chise. Diese Ereignisse sind unterschiedlich dokumentiert. Ausserdem ist diese Aufzählung nicht vollständig. Klar scheint aber, dass das Unwetter vom 10.7.1977 zu den grössten Hochwassern an der Chise im 20. Jahrhundert zählte. Eine Studie der ETHZ von 1999 schätzte die Abflussspitzen dieses Ereignisses in Konolfingen auf 11 bis 15 m3/s (20jährliches Hochwasser) und in Kiesen auf 20 bis 40 m3/s (100jährliches Hochwasser).

Das Ereignis von 1977 hat entlang der Chise zahlreiche Planungsaktivitäten ausgelöst. Als grössere Projekte verwirklicht wurden davon die Verbauungen in Herbligen und Oppligen, nicht jedoch ein ursprünglich geplanter Entlastungskanal in Konolfingen.

ab 1981

Das Verständnis über den Hochwasserschutz wandelt sich: Bund und Kanton verlangen von den Anstössergemeinden eine Gesamtschau entlang der Chise (Hochwasserbedrohung, Risikobeurteilung und Schadenanalyse mit Schutzmassnahmen).

1984 – 1986

Die Chisebach-Studie der Firma Basler & Hofmann schlägt Rückhalteräume (Hünigenmoos) und lokal differenzierte Schutzmassnahmen vor. Geschätzte Kosten: rund 30 bis 45 Mio. CHF. Gemeinden wollen weder einen Vollausbau (zu teuer) noch einen Rückhalt (Konflikt mit Landwirtschaft), sondern sprechen sich für einen hohen Schutzgrad im Siedlungsgebiet und einen tieferen Schutzgrad ausserhalb der besiedelten Gebiete aus.

1987

Erste Überlegungen für die Bildung eines Wasserbauverbandes werden angestellt…

1990

Das neue Berner Wasserbaugesetz (WBG) tritt in Kraft. Die Wasserbaupflicht geht an die Gemeinden über. Unterhalt und passiver Hochwasserschutz kommen vor dem eigentlichen Ausbau (aktiver Hochwasserschutz). Renaturierungen erhalten einen hohen Stellenwert.

1990 - 1993

Nach dem Unwetter vom Juni 1988 wird auf der Grundlage des neuen WBG ein weiterer Anlauf genommen: Im Auftrag des Kantons wird ein „Gesamtprojekt Chisebach“ erstellt. Kernpunkte: Verlegung der Chise im Bereich Mirchel – Konolfingen, Entlastungsstollen in Oberdiessbach (Hubenwald) und Entlastungskanal in Kiesen. Geschätzte Kosten je nach Varianten zwischen 30 und 45 Mio. CHF (ohne Landbedarf). Gemeinden stellen Machbarkeit in Frage, erachten den Landbedarf als zu hoch und lehnen die Finanzierung ab.

2000 - 2003

Der vorläufig letzte Versuch, den Hochwasserschutz an der Chise planerisch anzugehen. Mit neuen Methoden (EDV-Geländemodell, Simulation von Niederschlagsereignissen) wird ein Hochwasserschutzkonzept mit realistischen Vorschlägen erstellt. Die Begleitung erfolgt durch den Chisebach-Ausschuss an 5 Sitzungen. Zentrale Punkte: im Groggenmoos und im Hünigenmoos sind Rückhalteräume geplant. Sämtliche Anstössergemeinden stimmen dem HWSK Chise von 2003 zu.

15.6.2004

Sitzung der einfachen Gesellschaft „Hochwasserschutz Chisebach“: Die Anstössergemeinden haben bis auf Herbligen zusammen mit dem Kanton CHF 550’000 bewilligt für die Ausarbeitung von Projekten (Wasserbauplänen).

2006

Der Wasserbauplan Groggenmoos liegt nach einer Mitwirkung bei Grundeigentümern sowie Fachstellen von Kanton und Bund zur Auflage auf.
Die Anstössergemeinden nehmen im Rahmen von 2 Mitwirkungen Stellung zu Entwürfen von Reglement und Kostenteiler für die Gründung eines Wasserbauverbandes Chisebach.
Die Arbeiten für ein Projekt (Wasserbauplan) Hünigenmoos werden in einem offenen Verfahren (Ausschreibung) vergeben.

2007

Alle zehn Anstössergemeinden an die Chise genehmigen das Organisationsreglement mit dem Kostenteiler und treten dem Wasserbauverband Chisebach bei, der am 11.12.2007 gegründet wird.
Gründungspräsident und zugleich erster gewählter Präsident ist Fritz Bay, Konolfingen.
Für das Projekt «Hochwasserrückhalt Groggenmoos und Renaturierung Chisebach Groggenmoos – Chirschacher“ wird ein Kredit von 3 Mio. CHF bewilligt. Am 14.11.2011 wird ein Nachkredit von 1.2 Mio. CHF bewilligt.

2013

Öffentliche Auflage der beiden Wasserbaupläne Hünigenmoos und Kiesen.

2014

Bewilligung des Wasserbauplanes Hünigenmoos durch das Tiefbauamt.

2015

Eine Kollektiveinsprache gegen den Wasserbauplan Hünigenmoos wird durch die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion abgewiesen.
Die Einsprecher ziehen das Verfahren weiter vor das bernische Verwaltungsgericht.

Stabwechsel in der Verbandsführung: auf den demissionierenden Fritz Bay folgt als Präsident Daniel Hodel, Konolfingen.

Gegen den Kreditbeschluss von 12.1. Mio. CHF für das Projekt im Hünigenmoos (inkl. Landerwerb) durch die Abgeordnetenversammlung wird das Referendum ergriffen, welches mit 1’031 gültigen Unterschriften (von 582 erforderlichen Unterschriften) zustande kommt.

2017

Das bernische Verwaltungsgericht hebt die Bewilligung des Wasserbauplanes Hünigenmoos auf und weist dieses zur Ergänzung an das Tiefbauamt zurück; es wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt und die Frage, ob die Auslaufbauwerke der eidg. Stauanlagegesetzgebung unterstellt sind, ist vor dem Plangenehmigungsverfahren zu klären.

2018/19

Die Auslaufbauwerke im Hünigenmoos werden der Stauanlagengesetzgebung unterstellt und für die Wasserbaupläne Hünigenmoos, Kiesen und Konolfingen wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung erarbeitet.

2020

Die Wasserbaupläne Hünigenmoos, Kiesen und Konolfingen werden öffentlich aufgelegt.